Schützenfest 2010

Adlerrumpf fiel mit 426. Schuss : Oestricher Schützen freuen sich über ihr neues Kaiserpaar

Letmathe, 03.05.2010, Helmut Rauer

Oestrich. Es war gegen 17 Uhr am Samstag, als lauter Jubel auf dem Herbert-Nolte-Platz aufbrandete und sich die Oestricher Bevölkerung über ein neues Kaiserpaar freuen konnte - Werner Biecker hatte beim Schützenfest des SV Oestrich Maß genommen und den hölzernen Adler mit dem 426. Schuss "erlegte".

Spontan wurde die neue Majestät auf den Schultern über den Dorfplatz getragen, wobei die Schar der Gratulanten lang war.

Zuvor hatten sich die Oestricher Grünröcke unter den Augen der beiden Vizebürgermeister und Landtagskandidaten Michael Scheffler und Thorsten Schick bereits einen spannenden Kampf um die begehrten Insignien des Holzvogels geliefert. Michael Scheffler legte mit dem ersten Schuss den Grundstein, so dass es grade mal 28. Schüsse dauerte, bis Volker Schäfer die Krone sein Eigen nennen konnte. Der 58. Schuss brachte Thomas Zaun den Apfel, während das Zepter mit dem 76. Schuss von Sebastian Biecker fiel. Volker Düssel machte mit dem 132. Schuss dem Rennen um den rechten Flügel ein Ende, während der linke Flügel beim 186. Schuss durch Lothar Gonsior fiel. Traditionell den Damen vorbehalten war der Steiß des Königsvogels, der dem 258. Schuss von Beate Hannack nachgab. Nachdem auch der Rumpf des wehrhaften Federviehs den Grünröcken nichts mehr entgegen zu setzen hatte, sorgte der Spielmannszug des IBSV unter der Leitung von Tambourmajor Rainer Walter für Kurzweil vor der abendlichen Proklamation.

Norbert Pusch vom SV Oestrich dankte zunächst Karl-Heinz und Gunda Gebelhoff, die die Kaiserwürde seit 1999 inne hatten. Sie erhielten als kleines Dankeschön den Erinnerungsorden des Vereins. Vizebürgermeister Michael Scheffler oblag schließlich die angenehme Aufgabe, das neue Kaiserpaar zur proklamieren.  Werner Biecker, bereits von 1996 bis 1999 König des Vereins, hatte seine Ehefrau Karin zur Kaiserin gewählt und durfte sich über ein kraftvoll geschmettertes dreifaches „Horrido” freuen.

Natürlich ließen es sich die Gastvereine BSV Grüne, BSV Grürmannsheide, die St. Hubertusschützen Letmathe, BSV Lössel und der SV Dördel nicht nehmen, dem neuen Oestricher Kaiserpaar zu gratulieren.

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Aktuelle Meldungen

Anträge auf Waffenscheine steigen sprunghaft an

Die Angst vor Terroranschlägen treibt Bürger in Deutschland massenhaft in die Waffenläden. Die Zahl der "kleinen Waffenscheine" ist um fast 50 Prozent gestiegen. Die Grünen halten das für riskant.

Nach den Terroranschlägen und Amokläufen der vergangenen Wochen wächst in Deutschland die Verunsicherung. Ein deutliches Indiz dafür ist eine erhebliche Nachfrage nach dem "kleinen Waffenschein" für Reizstoff- und Schreckschusswaffen. Die Zahl solcher Bescheinigungen ist im ersten Halbjahr um 49 Prozent gestiegen.

"Mit Stand Juni 2016 waren 402.301 kleine Waffenscheine im Nationalen Waffenregister gespeichert", teilte das Bundesinnenministerium auf Anfrage mit. Im ersten Halbjahr 2015 waren noch 269.899 Dokumente registriert worden.

Schusswaffen wurden dagegen nicht stärker nachgefragt. Die Zahl der Waffenbesitzkarten sank leicht auf 1,894 Millionen im ersten Halbjahr 2016. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 1,898 Millionen.  

Grüne sehen die Entwicklung kritisch

Den Trend zu Selbstverteidigungsmitteln bestätigen Städte wie Köln und Leverkusen. Dort nahmen die Anträge auf "kleine Waffenscheine" laut Polizei sprunghaft zu. Von Januar bis einschließlich Juli beantragten 3273 Einwohner aus Köln und der Nachbarstadt Leverkusen den Schein. Im gesamten Jahr 2015 waren es gerade einmal 547. Rund die Hälfte dieser Anträge war im Januar nach den Silvesterübergriffen auf der Domplatte eingegangen – derzeit sind es im Vergleich zum Vorjahr mehr als doppelt so viele pro Monat.

2002 war der "kleine Waffenschein" nach Amokläufen an Schulen eingeführt worden. Gegen eine Gebühr wird er je nach Bundesland von der Polizei, Ordnungs- oder Landratsämtern ausgestellt. Die Behörden überprüfen die Zuverlässigkeit und Eignung der Antragsteller.

Die Innenexpertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Irene Mihalic, sieht diese Entwicklung kritisch. Sie fordert Verschärfungen beim Waffenschein. "Wir halten es für geboten, dass auch für den Erwerb von Reizstoffwaffen die Vorlage des kleinen Waffenscheins notwendig wird", sagte die frühere Polizistin. Bisher genügt ein Nachweis der Volljährigkeit – Kauf und Besitz der Waffen sind freigestellt. Wer sie aber mitführen will, braucht den "kleinen Waffenschein".

Waffenhändler plädieren für persönliche Beratung

Zusätzlich verlangt Mihalic höhere Standards für die Deaktivierung von Dekorationswaffen: "Es ist seit Jahren bekannt, dass diese Waffen viel zu oft, viel zu leicht wieder zu schussfähigen Waffen zurückgebaut werden können." Auch die Lagerung von Schusswaffen und Munition müsse gesetzlich strenger geregelt werden.

Ein schärferes Waffenrecht lehnt der Verband Deutscher Büchsenmacher und Waffenhändler (VDB) ab. Das werde die Sicherheit der Bürger in keiner Weise erhöhen. "Hauptproblem sind illegale Schusswaffen, die über Schwarzmärkte und das Darknet beschafft werden", sagte VDB-Geschäftsführer Ingo Meinhard.

Nach seiner Beobachtung besorgen sich die Kunden seit den Pariser Anschlägen im November 2015 verstärkt Abwehrmittel zum eigenen Schutz: "Gekauft hat ein Querschnitt der Bevölkerung, vom einfachen Arbeiter bis zum Professor."

Sorge bereitet dem VDB der Vertrieb von Pfeffersprays über Supermärkte, Autobahnraststätten und Drogeriemärkte. "Pfeffersprays sollten im Fachhandel verkauft werden. Sie sind im Notwehrfall äußerst effektiv. Darum ist eine persönliche Beratung nötig", sagte Meinhard